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Wenn der Sommer im Verborgenen liegt – Gedanken zu einem verregneten Sommer

von | Juli 31, 2025

Der Sommer dieses Jahres zeigt sich anders. Selten in seinem leuchtenden Gewand aus Sonnenstrahlen und trockenen Wegen, sondern in einem weichen, grauen Schleier, der sich über Wiesen, Bäume und unsere Tage legt. Regen klopft an die Fenster, Wolken verweilen länger als gewohnt, und selbst die Vögel scheinen leiser geworden zu sein. Wenn ich manchmal meine Vogel-App die Vogelstimmen erkennen lasse, bin ich überrascht, welche Vielfalt sich im täglichen Konzert um das Gutshaus zeigt – aktuell ist das anders.

Manch einer mag sich nach Licht sehnen, nach dem warmen Kitzeln auf der Haut, nach längeren Abenden im Freien. Und doch birgt auch dieser nasse Sommer seine eigene Einladung: zur Einkehr, zur Langsamkeit, zum Lauschen. Im Gutshaus Gottin spüren wir, wie sich die Atmosphäre verändert. Der Garten atmet tiefer, das Holz im Haus duftet intensiver, Gespräche werden leiser, aber vielleicht auch wahrhaftiger. Die Auszeiten und Retreats⁠, die in den letzten Wochen stattfanden, bekamen eine andere Qualität. Das prasselnde Dach wird zum Klangteppich für Meditationen. Spaziergänge im Regen führen zu erdenden Momenten. Und die Gemeinschaft, die sich bildet, trug nochmal eine besondere Tiefe in sich.

Gerade in diesen Tagen wird uns bewusst, wie wichtig es ist, sich nicht zu ärgern oder das Wetter zu beklagen. Es ist, wie es ist – und Annahme kann eine kraftvolle Haltung sein. Nicht im Widerstand, sondern in der Hingabe liegt oft die eigentliche Freiheit. Ich selbst habe diese Woche gemeinsam mit einem Freund spontan entschieden, trotzdem mit unseren Campern einfach hinauszufahren, mitten in die Natur an einem See – trotz Regen. Oder vielleicht gerade deswegen. Denn auch das ist ein Teil der Selbstfürsorge: dem Moment zu folgen, ohne ihn ändern zu wollen

Wir erleben, wie gerade das Unperfekte, das Ungeplante, seinen Platz hat. Wie eine spirituelle Reise nicht immer in der Ferne beginnt, sondern genau hier: mit nassen Schuhen, warmem Tee in den Händen und dem Wissen, dass Wandlung oft in leisen Tönen geschieht.

Vielleicht ist dieser Sommer eine sanfte Erinnerung daran, dass auch Schatten Licht brauchen, um sichtbar zu werden. Dass Selbstfürsorge manchmal heißt, nicht im Außen zu suchen, sondern innen zu lauschen. Möge dieser bisherige Sommer uns genau damit beschenken: mit der Erlaubnis, einfach zu sein. Ganz gleich, ob die Sonne scheint oder der Regen fällt.

Von Herzen aus Gottin
Marc

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